Für viele Menschen ist die Bäckerei eng mit Genussmomenten verbunden, sei es ein kleiner, alltäglicher Leckerbissen oder etwas, das man teilt und feiert. In solchen Momenten wächst die Nachfrage nach komplexeren und fesselnden Erlebnissen. Produkte, die optisch herausstechen und einen intensiven, multisensorischen Reiz ausüben, gewinnen insbesondere bei jüngeren Verbrauchern an Beliebtheit.
In der Bäckerei führt dies zu einer Verlagerung hin zum sensorischen Genuss, bei dem Produkte verschiedene Geschmacks- und Texturelemente zu einem einzigen Erlebnis vereinen, wie es beispielsweise bei Konzepten wie dem „Banelé“ zu beobachten ist. Ein Produkt, das das saftige und luftige Innere eines Bananenkuchens, die karamellisierte Außenseite eines Canelé sowie die Vollmundigkeit eines Brownies in sich vereint.
Vertrautes mit überraschender Wendung
Während der visuelle Reiz bei Backwaren an Bedeutung gewinnt, bleibt der Geschmack der Hauptfaktor bei der Auswahl. Verbraucher zeigen ein starkes Interesse daran, neue und unerwartete Geschmackskombinationen zu entdecken und aktiv Abwechslung in ihrer Ernährung zu suchen. Dies spiegelt sich in Verbraucherumfragen wider, bei denen 61 % der globalen Verbraucher angeben, dass sie Essen und Getränke mit neuen und ungewöhnlichen Geschmacksrichtungen genießen.*
Gleichzeitig bleibt Vertrautheit unverzichtbar. Verbraucher suchen nicht unbedingt nach völlig neuen Geschmackserlebnissen. Vielmehr bevorzugen sie vertraute Aromen, die auf neue Weise kombiniert oder präsentiert werden, wie Schokolade mit Meersalz oder Himbeere mit schwarzem Pfeffer. Die erfolgreichsten Produkte schaffen einen Ausgleich zwischen Komfort und Überraschung und bieten Abwechslung, ohne dabei ihre Vertrautheit zu verlieren.
Wertschöpfung durch Erfahrung
Mit steigenden Erwartungen an den sensorischen Genuss wachsen auch die Möglichkeiten, einen Mehrwert zu schaffen. Verbraucher sind bereit, mehr für Produkte zu bezahlen, die ein unverwechselbares und genussvolles Erlebnis bieten – allerdings nur, wenn dieses Erlebnis als gerechtfertigt empfunden wird. Die wahrgenommene Qualität wird durch das Gesamterlebnis geprägt, von der Textur und der Geschmackstiefe bis hin zur Frische und Konsistenz. Für Hersteller bedeutet dies, dass es bei der Wertschöpfung nicht darum geht, mehr Zutaten hinzuzufügen, sondern die richtigen sensorischen Entscheidungen zu treffen und Geschmack, Textur sowie Aussehen so zu kombinieren, dass ein unverwechselbares und konsistentes Erlebnis entsteht.
Von der Idee zum Einfluss
Um ein intensives sensorisches Erlebnis in großem Maßstab zu bieten, kommt es nicht nur auf die Umsetzung an, sondern auch darauf, welche Konzepte entwickelt und auf den Markt gebracht werden sollen. Genuss für die Sinne ist von Natur aus subjektiv, was es erschwert, vorherzusagen, was bei den Verbrauchern Anklang finden wird. Dies erfordert ein sorgfältiges Gleichgewicht zwischen der Berücksichtigung neuer Trends und der Wahrung der Konsistenz in der Produktion.
Nicht jedes Konzept muss in großem Maßstab umgesetzt werden, und nicht jede Idee wird erfolgreich sein. Der Schlüssel liegt darin, herauszufinden, welche sensorischen Elemente bei den Verbrauchern wirklich Anklang finden, und diese in Produkte umzusetzen, die sich in der Praxis bewähren. Dazu gehört es, Marktkenntnisse mit gezielten Tests zu kombinieren, um Risiken zu minimieren und gleichzeitig Raum für die schrittweise Verfeinerung und Optimierung der Konzepte zu lassen.
Genuss, ohne Kompromisse
Während Trends wie Gesundheit und "Cleaner Label" weiterhin den Markt prägen, bleibt der sensorische Genuss eng mit dem Verwöhncharakter verbunden. Anstatt diesen zu ersetzen, beobachten wir eine Verlagerung hin zu einem bewussteren Konsum, bei dem kleinere Portionen und durchdachtere Entscheidungen eine Rolle spielen. In diesem Zusammenhang gewinnt Qualität noch mehr an Bedeutung. Die Verbraucher sind nicht unbedingt bereit, Kompromisse einzugehen, sondern möchten Produkte genießen, die sich sowohl geschmacklich als auch hinsichtlich des Gesamterlebnisses lohnenswert anfühlen.
Weiter erkunden
In einem Umfeld, in dem sich die Erwartungen der Verbraucher ständig weiterentwickeln, ist Stillstand keine Option. Sensorische Vorlieben sind dynamisch und werden von Kultur, Kontext und sich wandelnden Lebensstilen geprägt. Für industrielle Backwarenhersteller und mittelständische Bäckereien bedeutet dies, kontinuierlich neue Ideen zu entwickeln, Konzepte zu testen und sensorische Erlebnisse zu verfeinern. Nicht jede Innovation muss radikal sein, aber sie sollte für den Verbraucher stets relevant und sinnvoll sein.
*Quelle: FMCG Gurus – Top Trend 1 Prioritizing Pleasure Trend Report (2025); Innova – Global FlavorTrends (2025); FMCG Gurus – FlavorColorTexture Europe Regional Report (2025); GlobalData – Brancheneinblicke Top-Trends im Bereich Backwaren und Cerealien (2025)